Die Sanierung vom Thaddäus

  • Nachdem ich den Motor von meinem 1988er 230TE wieder sauber zum Laufen gebracht habe, stehen jetzt, wo es langsam wieder wärmer wird, weitere Arbeiten an, die ich plane hier zu dokumentieren.


    Vor einer Woche gab es neue Reifen, die alten waren 14 Jahre alt und überreif zum Wechseln. Nach dem Wechsel hatte ich auf einmal Klackergeräusche. Es hat sich herausgestellt, dass die Radbolzen glatte 3 Millimeter zu lang waren. Ich habe die mit Eisensäge und Feile gekürzt, das Klackern ist wieder weg. Was ich nicht kapiere ist, wieso das vorher nicht geklackert hat, es sind ja dieselben Felgen mit denselben Radbolzen, das hätte schon längst Kleinholz in der Trommelbremse gegeben.


    Ich habe den Wagen jetzt mal hockgebockt und mich druntergelegt. Es gibt an einigen Stellen Oberflächenrost von der Sorte, wenn ein Auto lange Zeit kaum bewegt wird, aber draußen steht. Die gute Nachricht ist, dass die neuralgischen Stellen alle OK sind, insbesondere die Hinterachsaufhängungen. Die habe ich mit Kratzer und Nadelentroster freigelegt und erst mal mit Leinölfirnis eingepinselt. Ich schwanke noch, ob ich jetzt Brantho Nitrofest düberpinsele oder Seilfett draufrotze. (Winter/Salz habe ich mir für den Benz bereits abgeschminkt, das will ich dem Auto nicht mehr antun.) Die Hinterachse ist zwar soweit ok, aber auch stellenweise angerostet, und perspektivisch will ich die mal ausbauen und überholen. Jedoch nicht gleich jetzt. Und das bringt mich zu einer Stelle mit einer Frage.



    Das ist das einzige Loch, das ich im Hinterachsbereich gefunden habe. Es sitzt rechts von der linken vorderen Hinterachsaufnahme, wo zwei Bleche überlappen. Der Rostbereich beschränkt sich auf das, was ich freigelegt habe. Daneben ist der Unterbodenschutz elastisch und alles fest, es kommt blankes Blech zum Vorschein, wenn man weiter abkratzt. Das Loch könnte man zuschweißen, wenn man das halbe Auto zerlegen will. Nachdem ich sonst hier nichts zu schweißen habe, will ich das aber nicht. Was macht man da? Zuspachteln? Pfropfen rein? Kitten? Fettecke? Wie würdet Ihr die Stelle am Weitergammeln hindern, bis es Zeit ist, hintenrum einen größeren Aufwand zu treiben?

  • :doofy: Na klar! Ich hab sogar Sikaflex da und nicht drangedacht ... danke, Mark.


    Heute geht es damit weiter, und dann steht an:

    • die vor Monaten gekaufte Ölablaßschraube wiederfinden, die von nem Grobmotoriker angeknallte und rundgedrehte alte abbekommen und einen Ölwechsel machen
    • die fehlende Buchse vom Schaltgestänge hinten einbauen
    • Wenn mich der Hafer sticht, mach ich noch die Bremsflüssigkeit. Die Bremsanlage hinten wurde vom Vorbesitzer offenbar erst kürzlich (in Kilometern, nicht unbedingt in Jahren) komplett erneuert incl. Sätteln und Schläuchen, ich hoffe, die Nippel machen keine Schwierigkeiten.
  • Eins der wichtigsten Helfer, die ich in den letzten Monaten besorgt habe, ist ein Liegerutscherl, um unters aufgebockte Auto rollern und halbwegs bequem arbeiten zu können. Merke: nicht mit offener Jacke betreiben. Wenn man über die Jacke drüberrollt, steckt man fest. Ich weiß nicht, wie viele Sit-ups ich heute gemacht habe, weil mir dauernd irgendein Trumm gefehlt hat und ich wieder rausrollern und aufstehen musste. Da spart man sich das Fitneßstudio.


    Ich weiß auch nicht, ob ich je mit einer Schraube so zu kämpfen hatte wie mit dieser vermaledeiten Ölablaßschraube. Ich wusste zum Glück schon, dass die ein Problem hat, weil ich schon vor Monaten beim Ölwechsel an ihr gescheitert war. Ich hasse Grobmotoriker, die kein Gefühl haben und trotzdem keinen Drehmomentschlüssel verwenden. Ersatz für die Schraube war vorhanden -- ich musste ihn nur finden. Am Ende hatte ich ihn an einem guten Ort aufgehoben: in der Tasche der Fahrertür. Leider habe ich vorher all die anderen guten Orte vergeblich abgesucht.


    Ratsche rutschte an der Schraube ab. Auch eine Nuss mit Flankenprofil scheiterte. Ich wollte es mit Anwärmen probieren. Muss aber wohl beim letzten Mal auf den Stecker des Heißluftföns getreten sein, der war verbogen. Zange angesetzt -- ab. Also erst mal neues Kabel an den Fön. Genützt hat es nichts. Zwei Gripzangen rutschten auch ab. Ich versuchte, zwei Flanken an den Schraubenkopf zu feilen. Auch das war vergeblich, Gabelschlüssel und weitere Versuche mit den Gripzangen haben die nur wieder verrundet.


    Am Ende half nur die Radikalkur. Ich habe mit einem Dremel den Bund der Schraube bis zur Kupferdichtung runtergeschliffen. Mir gingen einige Vorschriften zur Arbeitssicherheit durch den Kopf, während das wilde Ding mit seinem feststehenden Rastschalter knapp neben und über meiner Rübe Funken sprühte.



    Danach ließ sie sich einfach rausdrehen. Dreieinhalb Stunden für nen Ölwechsel ist ein persönlicher Rekord und schlägt meine Enfield mit ihren zwei Ablaßschrauben, die mir beim Wechsel vom Hauptständer rutschte und auf das Ölauffanggefäß platschte.


    Nächste Aufgabe: die fehlende Buchse am Schaltgestänge anbringen. Sah zunächst ganz einfach aus, nur dass die Buchse so hart ist, dass man die mit ihren beiden Haltestegen nicht in das vorgesehene Loch bringt. Jeder Versuch führte nur dazu, dass ich das Ding wieder suchen musste, weil es runtergefallen ist. Als es mir in die Quertraverse reinfiel und ich es fast nicht mehr herausgefischt bekommen hätte, hatte ich die Schnauze voll. Gebt mir Tiernamen, ich hab einen der Stege abgeschnitten. Damit kann die Stange zwar etwas hin und her, aber das ist immer noch besser als gar keine Buchse, und damit funktionierte die Schaltung auch. Schlimmstenfalls kann an die Seite ein Kabelbinder, dann passt das auch wieder.



    Das Loch hinten ist vorbereitet zum Grundieren, das mach ich dann morgen. Soweit Erfolgsmeldungen. Leider habe ich mich mit den neuralgischen Stellen zu früh gefreut. Bei genauer Inspektion heute hat sich herausgestellt, dass die hinteren Wagenheberaufnahmen durchgerostet sind. Dass ich da bei der Besichtigung nicht so fest reingestochert habe, lag an meiner Konfliktvermeidungstendenz. Dass die Mühle damit aber TÜV bekommt, finde ich schon krass. Das war so tok, tok mit dem Schraubenzieher, ah, ist ja noch fest, TOK, um das Röhrchen zerfällt alles zu Staub. Die Aufnahmen wurden schon mal gemacht, aber offenbar pfuschig, oder es ist schon wieder 20 Jahre her. Werd wohl bei Trabhan die Reparaturbleche bestellen. Lohnt es sich, die Verstärkungen für die Wagenheberaufnahmen auch zu bestellen und einzuschweißen?


    Ich habe auch entdeckt, warum dem Wagen ein Marderpiepser eingebaut wurde (den ich abgeklemmt habe, weil der die Batterie leersaugt und ich ne Garage habe). Beide Spurstangen haben Marderverbiss und müssen erneuert werden. Ärgerlich, die sahen noch ziemlich neu aus.

  • Die Schaltgestängebuchse bekommt man eigentlich recht einfach rein, wenn man da ne 19er oder 21 Nuss zwischen Hebel und Kardantunnel legt und die mit nem Reifenmontierhebel gegen die Gelenkwelle reindrückt. Wenn man die Buchse vorher in heißem Wasser warm macht, geht das erheblich einfacher...

  • Jeder Versuch führte nur dazu, dass ich das Ding wieder suchen musste, weil es runtergefallen ist. Als es mir in die Quertraverse reinfiel und ich es fast nicht mehr herausgefischt bekommen hätte, hatte ich die Schnauze voll.

    Hallo,

    das Gleiche hatte ich mal bei einem W108. Beim Versuch die blöde Buchse einzupressen, ist sie mir weggesprungen. Wagen stand auf der Bühne und man hätte das Teil eigentlich finden müssen, aber keine Chance, es war weg. Ich habe mir dann eine neue geholt und eingebaut, ging dann irgendwie. Monate später habe ich eine Spurstange gewechselt und was liegt da auf dem Querlenker, genau die Buchse, schon erstaunlich, dass die nicht runtergefallen ist. Von der vergessenen und später leicht angerosteten wiedergefundenen Nuss auf einer Auspuffschelle gar nicht zu reden ;)


    Gruß

    Rainer

  • Moin,

    die gezeigten Bilder sind nur die Spitze von dem Eisberg.


    Wenn Du den richtig machen willst, nimmst Du die Hinterachse raus.


    Da wirst Du noch mehr Rost an den Hinterachsaufnahmen finden.

    Der Unterboden über der Achse ist nur Grundierung, da wird auch überall Rost rein.


    Kannst Du alles Sandstrahlen und neu machen.


    Im Hintergrund der Schaltbuchse siehst Du ja auch Rost.

    Das ist jetzt der richtige Zeitpunkt das zu machen weil nach dem Sandstrahlen noch Metall übrig bleiben wird.

  • Glaub ich Dir, bei mir fällt Sandstrahlen aber aus, und ich seh untern Auto liegend da einfach nicht vernünftig hin bzw. krieg meine Hände da nicht hingebogen. Mit ner Bühne würde das vielleicht gehen.



    So ist die Situation da. Die Manschette über dem Stoßdämpfer existiert nur noch in Teilen, und Marcel hat recht, über dem Diff sieht man auch erste Rostansätze. Ich habe in das Loch einen Kaugummi aus dauerelastischem Teroson-Dichtband gestopft, und dann kann ich Richtung Sommer an der Stelle was Gescheites machen; ordentlich entrosten und Brantho-Korrux drauf.


    Hier noch ein paar Impressionen:


    Wagenheberaufnahme hinten links:


    Vorne links kann ich auch am Rohr vorbei durchstochern, aber es ist noch nicht ganz so dramatisch.


    Fahrzeugboden:


    Diese Leitung hat hoffentlich nur mit den Tankdämpfen zu tun:


    Vorne gibt's an manchen Stellen auch Rostansätze:


    Zum Glück sieht es nicht überall so aus.


    Grüße

    Wolfgang

  • Immerhin hab ich hohe Schwerlastböcke. :) Ich seh das positiv. Endlich wieder Übung im Schweißen kriegen! Ich zeig natürlich auch hauptsächlich die Stellen, die Arbeit brauchen. Die Innenausstattung ist tiptop incl. Fahrersitz, Türen und Hauben wurden schon mal erneuert (wobei ein Eck der Fahrertür auch schon wieder Zuwendung braucht), der Tank ist neu, die Bremsanlage ist ziemlich neu. Ich werd heute mal die Schwellerverkleidung abmachen um zu sehen, ob das kleine Reparaturblech reicht.


    Ich mag Kombis. Die haben aber halt als Nutztiere das schwerste Schicksal aller Modelle. Selbst Liebhaber vernutzen die erst mal als Winterauto fürs Sommercabrio. Hier im Forum hat man oft den Eindruck, es sind mehr Cabrios noch im Einsatz als T-Modelle. Mein letzter Oldie war ein 1967er Citroën DS Break. Die gibt's seit Jahrzehnten nur noch in zwei Zuständen: Zustand 1 bis 1- für 50.000 Euro und mehr, oder 3- bis 5 für auch schon ziemlich viel Geld. Meiner war ein vergleichsweises Schnäppchen in 4er-Zustand, aus dem ich eine glatte 3 gemacht habe. Da musste aber z. B. auch die Innenausstattung zum Sattler, und Schweißarbeiten musste ich machen lassen. Ich hab den neulich wieder bei Mobile gesehen (mein Verkauf ist knapp 10 Jahre her). Der aktuelle Besitzer hat genau gar nichts gemacht, verlangt aber das Doppelte, was ich damals genommen habe ...


    Was die Kosten betrifft, graut es mir nur vor dem Lack. Für den Rest habe ich beim Kauf schon einen guten Puffer eingeplant. Zeit ist eher der limitierende Faktor. Frank Drebbin, wer bietet denn überholte Hinterachsen an?

  • Der verlangt aber salzige Preise und bist du dir sicher, dass die Beschichtung taugt…


    Ich lasse die Sachen lieber strahlen und mache dann nen vernünftigen Lackaufbau.

    Habe jüngst hier einen gepulverten Achsträger aus nem Auto ausgebaut…..der sah schon nach wenigen Jahren und spärlicher Fahrt so aus, dass ich nen anderen eingebaut habe und den wieder strahlen lasse.

    Und nen nagelneuen Achsträger von Trabhan habe ich grade aktuell hier ausgebaut liegen, da die Beschichtung wenig vertrauenswürdig ist inkl. verdreht eingezogener Difflager. Streben von Aztek und die Schrauben gammeln nach 4 Wochen Betrieb schon und sind unterste Kanone.